Kein Südafrika Trip ohne Safari

Was tun mit einem freien Tag in Johannesburg? Und wie legt man am besten die 200 € Entschädigung für die verzögerte Beförderung des Fluggepäcks an? Auf in den nur zwei Stunden entfernten  Pilanesberg National Park. Die Idee war geboren, die Umsetzung nach ein paar Recherchen und mit der Hilfe des Motel Mi Pi Chi auch recht schnell als pauschale Mini Package erledigt. Abholung vom Motel um 10.00 Uhr, Boxenstopp an einem sog. Curio Market, Weiterfahrt zum Nationalpark, Mittagessen vom Büffet, Verdauungspause, dreistündige Safari im offenen Truck und gegen 19.00 Uhr dann die Rückfahrt. Wohl fühlen werde ich mich bei solchen Pauschalarrangements allerdings wohl nie… Obwohl es an der Leistung eigentlich nichts zu meckern gab.

P1040280Der heutige Nationalpark, etwa 185 km nordwestlich von Johannesburg in unmittelbarer Nachbarschaft der künstlichen Vergnügungs- und Casino-Siedlung Sun City gelegen, war vor zwei Milliarden Jahren ein riesiger 7000 m hoher Vulkan. Heute sind nach Eruptionen, Explosionen und Erosion nur noch die ringförmige Basis des einstigen Riesenvulkans sowie im Inneren dieses Ringes diverse Hügelketten und Täler übrig, dort wo sich in der aktiven Zeit des Vulkans Lavakammern und Lava Tubes befanden. Das Ringgebirge ist denn auch verantwortlich für den Erfolg aber auch die Beschränkungen, denen der Nationalpark unterliegt. Denn bei genauer Betrachtung handelt es sich eigentlich um ein von einem Elektrozaun umgebenes 55.000 ha großes Freigehege.

P10402381960 wurden die Buren, die hier Farmen betrieben, umgesiedelt, um im Rahmen der Apartheid Land für das Homeland Bophutatswana bereitzustellen – eine der Maßnahmen, um die schwarze Bevölkerung in Randgebiete zu verdrängen und vor allem um ihre Stellung als Menschen zweiter Klasse im Burenstaat zu legitimieren. Homelands waren de facto extraterritoriale Gebiete mit eigenen Regierungen. Das eigentliche Homeland wurde jedoch erst 1977 gegründet, zwei Jahre bevor die Homeland-Regierung dann das Areal des ehemaligen Vulkans vom lokalen Stammeschef Pilane kaufte, um den Nationalpark einzurichten. Ein Dorf mit Polizeistation und eine Rinderfarm wurden umgesiedelt.

P10402451979 begann man mit dem Ziehen der Umzäunung und der Ansiedlung von 6.000 Tieren, die es hier schon lange nicht mehr gab: Löwen, Elefanten, Nashörner, Flusspferde, Zebras, Giraffen verschiedene Antilopenarten und so weiter und so fort. Erfolgreich ist das Konzept deshalb, weil der 4 m hohe Elektrozaun Wilderei zwar nicht vollständig verhindert, die Verluste an Tieren im Vergleich zu anderen großflächigeren und offenen Nationalparks deutlich geringer ausfallen. So hat es auch im letzten Jahr mehrere Nashörner erwischt, die für das Potenzmittel, das man in China aus dem pulverisierten Horn zu gewinnen glaubt, ihr Leben lassen mussten. Andererseits hat die Geschlossenheit des Areals aber auch zu einer Überpopulation von Elefanten geführt. Das Gelände ist eigentlich zu klein für die 260 Tiere, von denen unter normalen Umständen längst ein Teil abgewandert wäre. So berichtete eine Dokumentation auf arte kürzlich, man stelle gegenwärtig hier und auch andernorts Überlegungen an, ob man nicht zur Herstellung des natürlichen Gleichgewichts die Großwildjagd kontrolliert von der Nationalparkverwaltung wieder einführen sollte… Ein schräger Gedanke, der wohl insbesondere all den Gutmenschen in Europa und in Nordamerika kaum zu vermitteln wäre, die jährlich  aufgrund der putzigen Bilder der Sympathieträger aus dem Tierreich den Spendensammlern von WWF und Co. Unsummen für die Erhaltung der Arten übereignen.

P1040254Fazit für Touristen: Man sollte nicht zu viele kritische Berichte sehen. Denn all diese Gedanken trübten schon ein wenig mein Vergnügen bei der Safari. Aber vielleicht war es ja auch die relativ große Zahl anderer Fahrzeuge, die zu jederzeit in dem hügeligen Gelände sehen konnte. Oder es war die Tatsache, dass man sich eigentlich nur an den Ansammlungen stehender Fahrzeuge orientieren musste, wollte man eine Gruppe oder auch nur ein einzelnes Exemplar der Big Five (Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant, Büffel) sehen. Oder es war die Erfahrung, die Yingjun und ich in Südindien im Periyar Nationapark gemacht hatten, als wir zunächst am frühen Morgen mit einem Ranger zu Fuß unterwegs einem Elefanten und anderem Getier begegneten, um dann am Nachmittag das rege Treiben am Ufer eines Sees vom Schiff aus zu beobachten. Vielleicht lag es auch nur an der lauten Australierin, die im Laufe der drei Stunden ihre halbe Lebensgeschichte in einer Lautstärke zum Besten gab, dass man kaum noch weghören konnte. Mit Sicherheit war es jedoch mein Unmut darüber, dass der Fahrer des mit etwa 12 Leuten besetzten Trucks in der beginnenden Dämmerung ganze Gruppen von Zebras, Antilopen, Gnus und Nashörnern konsequent links liegen ließ, um den vagen Berichten seiner Kollegen über die Sichtung von Löwen zu folgen, nur um den Besuchern diesen Höhepunkt zu liefern. Auch die Zeit, die für die jeweilige Beobachtung blieb, war leider viel zu kurz. Der Fluch des pauschaltouristischen Tagesausflugs.

P1040268Das hört sich jetzt alles ziemlich miesepetrig an, aber eigentlich hatte ich meinen Spaß und sah, wie die Fotos dokumentieren, doch eine ganze Anzahl verschiedener Tiere: Nashörner aus nächster Nähe, ein höchstens zwei Monate altes Babynashorn, Flusspferede ebenfalls mit Nachwuchs, Elefanten, Büffel (eine ganz seltene Sichtung), Zebras, Antilopen und mit einem  Caracal wenigstens eine der Wildkatzen. Und wenn ich meinem Wunschdenken freien Lauf ließe, könnte ich auch behaupten, dass die zwei entfernten weißen Punkte, die ich in der Dämmerung weit entfernt an einem Hügel sah, nichts anderes gewesen sein können als Löwen.

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