Wein und Schein

p252Wie man aus dem Foto des letzten Eintrags aus Grasse ersehen kann, hatten die Wettergötter Erbarmen. Der sonnige Nachmittag reichte, um unser Zelt mehr oder weniger trocken zu legen. Um nichts zu riskieren verbrachten wir die – niederschlagsfreie – Nacht in unserem Auto. Das Foto aus Grasse zeigt die Statue eines vagabundierenden Verkäufers von Duftwässerchen und Medizin. Diese Leute trugen erheblich zur „Demokratisierung“ des Parfüms bei, hatten allerdings meist keinen guten Ruf. Insbesondere als Medizinmänner waren sie wohl eher Scharlatane. So konnten sich im Laufe der Zeit die Apotheker durchsetzen – dem Wortsinn nach eigentlich nur „Ladenhüter“. Da sie stationär agierten und nicht hausierend durch die Lande zogen, mussten sie im eigenen Interesse verantwortlicher mit ihren Heilmitteln umgehen, wollten sie nicht schnell als Scharlatane gelyncht werden…
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Wir fuhren zunächst nach Callas zum Einkauf von Olivenöl – A.O.C. versteht sich. Dann ging es zum Mittagessen nach Draguignan und frisch gestärkt zur Weinprobe nach Les Arcs. Den besten Wein fanden wir im vergleichsweise unscheinbaren Chateau St. Pierre, das ich schon von früher kannte. Die Empfehlungen im Reiseführer enttäuschten mit überteuerten Weinen. Und auch hier gilt wohl: Erfolgreiches Marketing ersetzt Produktqualität.
Während der zweiten Weinprobe gab es übrigens wieder einmal einen längeren Wolkenbruch, der uns noch bis Tourtour begleitete. Dieses höchst touristische Dorf soll der Inbegriff des provenzalischen Bergdorfs sein. Mich lies es mit seiner überentwickelten touristischen Infrastruktur eher kalt. Chateaudouble, das wir – völlig touristenfrei – als nächstes am frühen Abend ansteuerten, hatte deutlich mehr verschlafenen Charme und eine grandiose Panoramalage am Eingang einer Schlucht. Nachdem wir unendlich ausgedehntes militärisches Sperrgebiet durchquert hatten, mieteten wir uns in Comps-sur-Artuby im einzigen örtlichen Traditionshaus für die Nacht ein. Yingjun hatte die geniale Idee, den relativ geringen Aufpreis für Halbpension zu zahlen. So kamen wir auch zu dem Vergnügen, der Notre Dame de la Galline Grasse zu huldigen. Kein Witz, man betet hier in einer Kapelle wirklich die Maria der fetten Henne an. Am ersten Septembersonntag ist der Ehrentag dieser Dame. Und wie sollte man den würdiger feiern als mit einem leckeren in Weißwein mit Möhren, Speck, Knoblauch, Zwiebeln und Oliven geschmorten fetten Huhn? Wir sind nach dem Menüins Bett gerollt.
Am nächsten Morgen ging es dann weiter über die südliche Panoramastrasse durch die Schlucht des Verdon. Aber davon ein anderes Mal mehr.

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