Französisches Ökobewusstsein

p272Unser erster Abstecher führte nach Manosque – zum Fabrikverkauf von l’Occitane. Nachdem wir uns vom Kaufrausch erholt hatten war dann aber Lehrreiches angesagt. In den Bergen nordwestlich von Manosque wurde von der Verwaltung des Landschatsschutzgebiets Luberon vor einigen Jahren ein Gut zum Demonstrationsobjekt für regionale Biodiversität umgestaltet. Der sehr erzieherische Ansatz und Erklärungen, die bei uns eher unter erweitertes ökologisches Allgemeinwissen fallen dürften, zeigen, dass das Thema in Frankreich noch recht neu ist. So gibt es zwar auch hier in Supermärkten immer mehr Bioprodukte, doch warum ein Biojoghurt zur Hälfte aus entrahmten Milchpulver hergestellt werden muss, will mir nicht in den Schädel…
Wenn der Besuch im Ecomusee de la Biodiversité insgesamt wenig neue Erkenntnisse theoretischer Natur brachte, konnten wir doch immerhin die Geschmacksnuancen von mehr als 20 Feigensorten testen – frisch vom Baum versteht sich. Und auch längst verscüttetes Alltagswissen wurde wiederbelebt. Zuviele und vor allem nicht ganz reife Feigen können ganz schön schmerzhaft sein. Blutige Lippen und eine geschwollene Zunge waren der Lohn des Forscherdrangs.
Teile des Geländes dieses La Thomassine genannten „Lehrguts“ sind schon seit dem 12. Jahrhundert im Besitz der Stadt Manosque, da hier bis 1956 die einzige Quelle für die Trinkwasserversorgung existierte. Die Quelle existiert noch auf dem Gut, auch wenn es richtig eigentlich Wassermine heißen müsste. Bis weit in die 1980er Jahre stammte das Trinkwasser von Manosque auch weiterhin teilweise von hier. Inzwischen ist man wie überall üblich auf Tiefbrunnen ausgewichen.
Auf dem Gelände von La Thomassine in den Bergen oberhalb der Stadt hatte man schon im 13. Jahrhundert waagerecht mehrere Stollen in die Erde getrieben, die soweit in den Berg führten, sie eine Grundwasserader im Karstgestein durchschnitten. Zusammen mit Regenwasser, das mittels senkrechter Schächte in diese Wasserminen geleitet wurde, wurde das Wasser in Becken gesammelt und dann durch zunächst lange Zeit hölzerne Wasserleitungen über mehrere Kilometer hinunter nach Manosque geleitet.

Das Foto entstand vorgestern kurz nach sieben Uhr morgens auf dem Campingplatz, als ich auf die morgendliche Lieferung des Bäckers wartete, der auch für uns ein Baguette dabei hatte.

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