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Samstag ist großer Markttag in Apt. Die gesamte Altstadt wird seit Jahrzehnten einmal in der Woche zum Marktplatz für Käse, Wurst, Honig, Seife, Souvenirs, Tischdecken, Marmeladen, Lavendel und alles, was sonst noch das Touristenherz erfreut. Daneben werden allerdings auch noch reichlich Gemüse, Fleisch, Fisch und Waren des täglichen und weniger alltäglichen Bedarfs feilgeboten. Kurz, ein riesiger Markt für alle Gelegenheiten in einer netten provenzalischen Kulisse.
Nachdem wir insbesondere im Hinblick auf Traditionsrestaurants, die uns auf früheren Reisen in dieser Gegend liebgeworden waren, bisher eher vom Pech verfolgt waren (verschiedene existieren schlicht nicht mehr), war es eine wirklich positive Überraschung, als wir plötzlich der scheinbar kaum gealterten Marmeladenkocherin aus Isle-sur-la-Sorgue gegenüberstanden, von der wir schon auf unserer ersten gemeinsamen Provencereise in den 90ern diese unnachahmliche Orangenmarmelade mit Lavendelblüten erstanden hatten. Keine Frage, diese Köstlichkeit begleitet uns auch jetzt wieder nach Hamburg.
Da fällt mir doch gleich noch etwas zu den angeblich so typischen provenzalischen Stoffen ein, die vorwiegend in Form von Tischdecken, Lavendelsäckchen und dergleichen Schnickschnack an die Touristen gebracht werden. Keine Angst, ich werde kein Lamento darüber anstimmen, dass all diese Dinge heute in China oder sonstwo in Asien gefertigt werden. Obwohl, Asien ist das richtige Stichwort. Spätestens während des Besuchs des Minimuseums für Trachten und Schmuck der Provence in Grasse kamen uns die „provenzalischen“ Muster – nicht spanisch aber – indisch vor. Und wirklich, da hatte sich vor mehr als 200 Jahren beispielsweise das stilisierte indische Mango-Ornament eingeschlichen. Zuerst hatte die nordamerikanische Baumwolle heimische Fasern abgelöst. Als dann Indien zunehmend zum billigen Produktionsstandort für Stoffe für den europäischen Markt wurde, hielten mit den dort produzierten Materialien auch die indischen Muster Einzug. Die indische Konkurrenz wurde schließlich so stark, dass 1849 zum Schutz der provenzalischen Textilindustrie in Marseille der Import in Indien hergestellter Stoffe verboten wurde. Klingt vertraut… Einige indische Muster hatten aber inzwischen – ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt – in das ornamentale Portfolio provenzalischer Stoffhersteller Einzug gehalten und blieben.
p59Nach dem Markt rief der Wein. Und wie hätten wir diesem Ruf besser folgen können als bei einem Degustationsmenü chez Sylla? Diese Traditionsinstitution am Rande von Apt vertritt seit Langem eine Anzahl regionaler Winzer des Luberon. Und seit einigen Jahren bietet man neben Wein auch ausgesuchte Käsespezialitäten zum Verkauf und pber Mittag auch begleitet von Salat, Baguette und drei Weinen eigener Wahl zum Verzehr an. Für gerade mal 12 Euro ein unschlagbares Angebot. Danach hörte ich von meiner Gattin den Satz, dem ich bereits mehrfach lauschen durfte: Ich will nicht aufstehen, ich kann auch gar nicht mehr aufstehen.
Wöhrend der anschließenden Rückfahrt über die Dörfer und einige Weingüter musste ich auf angeregte Unterhaltung weitgehend verzichten. Vom Beifahrersitz kam – wenn überhaupt – nur vereinzelt leises Schnarchen.

Aloha!

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