Hoch über einer Steilwand am Lot

p386Mit nur noch knapp über 200 Einwohnern ist Saint-Cirq-Lapopie nur ein kleines Nest östlich von Cahors. Da unser französischer Reiseführer aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus kam, das Dorf offiziell als eines der schönsten Dörfer Frankreichs gilt und noch dazu in seiner Gesamtheit in der Liste des Weltkulturerbes steht…
Die Lage ist wirklich phantastisch, und beinahe die gesamte Bausubstanz stammt aus dem 13. Bis 16. Jahrhundert. Dazu kommt noch ein Blick ins Tal des Lot wie in eine Modelleisenbahnlandschaft – jedoch ohne Märklin H0. Und Touristen, Touristen, Touristen.
Cahors ist Heimat des vin noir, der so dunkel ist, dass er bei einer Winzertour verräterisch die Zähne färbt. Während die Winzer heute noch mit dem Ruf kämpfen, einen altmodischen und schweren Wein zu produzieren, war der traditionell nur aus der Sorte Malbec hergestellte AOC Cahors in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Verkaufs- und Exportschlager, der sich der Lokalhistorie zufolge nicht zuletzt am russischen Zarenhof großer Beliebtheit erfreute.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts war dann alles vorbei, sämtliche Reben abgestorben und alle Winzer ruiniert. Erst massiver Befall mit Mehltau, dann machte ein winziger Immigrant aus Amerika dem gesamten Weinbestand der Region Cahor den Garaus: die Reblaus. Erst in den 1970er Jahren hat sich der Weinbau hier von dieser Katastrophe erholt, nachdem erste Versuche der Wiederbelebung 1956 an hartem Winterfrost gescheitert waren. Dem Ruf des Altmodischen versucht man heute dadurch zu entfliehen, dass man dem ursprünglich etwas kantigen aber charaktervollen Malbec den Weichmacher Merlot beimischt. Einige der Winzer bedauern dies und die allgemeine Tendenz, die Weine nicht mehr so lange wie einst vor dem Verkauf reifen zu lassen, beugen sich aber den ökonomischen Notwendigkeiten. Immer noch ist der reine Malbec „an acquired taste“ wie es ein örtlicher Winzer vor einigen Jahren bei unserer ersten Begegnung mit dem schwarzen Wein ausdrückte. Und im Übermaß genossen schlägt er zuerst auf den Magen, bevor er in den Kopf geht.

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