Mission accomplished – Nachtrag aus San Francisco

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Seit einer Woche liegt San Francisco nun wieder jenseits des großen Teiches. Am Sonntag nach Abschluss der Konferenz lud das schöne Wetter zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die älteste Nachbarschaft der Stadt. Wo heute die Latinos einen ganz eigenen urbanen Mikrokosmos bilden, wurde San Francisco einst mit dem Bau der Missionsstation und Kirche Mission Dolores gegründet. Heute wächst die Anziehungskraft des Viertels nicht nur dadurch, dass das Land hier im Vergleich zu den anderen Stadtvierteln ebener ist, oder weil die höhere Lage dafür sorgt, dass hier wesentlich seltener alles vom Nebel verschluckt wird. Auch die Murales, die hier in lateinamerikanischer Tradition eine ganze Reihe von Wänden im Einvernehmen und oft auch im Auftrag der Hausbesitzer künstlerisch bedecken, locken nicht nur Besucher sondern zunehmend auch Investoren und Immobilienspekulanten.

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Gentrifizierung und Juppisierung ist das Thema dieses zweiteiligen Wandbilds einer in diesem Viertel aufgewachsenen Künstlerin. Während die Künstlerin in ihrer Jugend die Polizei eher als Feindbild wahrnahm, stehen die reichen Hausbesitzer, die das gesamte Antlitz des Bezirks zu verändern beginnen, offensichtlich auf bestem Fuß mit ihren uniformierten Freunden und Helfern. Die weniger begüterten bleiben da auf der Strecke.

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Eines der ersten Wandbilder wurde von einem chinesischen Hausbesitzer schon in den siebziger Jahren in Auftrag gegeben. Die gesamte Fassade eines Art Deco Hauses, das zu dieser Zeit die chinesische Buchhandlung des Besitzers beherbergte wurde angemalt. Noch heute glänzen hier Motive im Stile maoistischer Propagandaplakate.

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In der Balmy Alley weist ein Bild auf die Vergangenheit hin. Hier standen einst Stallungen. Und sogar einige der heutigen Häuser sind nur umgewandelte Ställe. Besonders langlebig sehen die wenigsten Häuser aus.

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Und selbst die berühmten viktorianischen Gebäude aus der ersten Blütezeit der Stadt sind vielfach recht einfach aus dünnen Brettern gezimmert und haben in der Regel Schaugiebel, hinter denen im wahren Wortsinn nichts steckt.

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Die wilderen der Murales sind durchaus politisch und oft auch sehr aktuell. Das Schicksal der russischen Punkgruppe Pussy Riots hat offensichtlich auch hier einige Gemüter erregt.

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Neben den Vorzeigeprojekten im Viertel, die meist von Hausbesitzern in Auftrag gegeben und dann unter Vermittlung einer örtlichen Initiative mit lokalen Künstlern im Dialog entwickelt werden, gibt es auch viele deutlich wildere Kunstwerke, die nicht immer ganz legal auf die Wände gelangen.

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Manchmal bekommt wohl auch der ein oder andere beim Hinterlassen seiner farbigen Visitenkarte erwischte Sprayer den Auftrag des Hausbesitzers, gleich die ganze Wand zu gestalten. Der lokalen Gesetzeslage zufolge ist nämlich der geschädigte Hausbesitzer in der Pflicht, die Schmierereien selbst wieder entfernen zu lassen. Tut er das nicht innerhalb einer bestimmten Frist, werden Geldstrafen in Höhe von mehreren hundert Dollar verhängt. Ziert hingegen ein Bild die ganze Wand, so gilt das ungeschriebene Gesetz, dass dieses für andere Sprayer tabu ist.

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„Mach was Du willst, aber mach es so gut Du kannst“:

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Und tschüß.

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