Arrested Development – made in Brandenburg

IMG_0810Arrested Development – die Einen werden sich dabei an eine ziemlich coole Hip Hop Band erinnern, andere denken eher an eine TV-Serie. Wird wohl eine Altersfrage sein und eine der persönlichen Vorlieben. Beide sind aber auf dem Holzweg. Hier geht es um ein verhindertes immobiles Sahnestückchen am Ufer des Scharmützelsees im südöstlichen Brandenburg. Zwischen VEB Campingdorf und runderneuerter Ferienhaussiedlung für zahlungskräftige Haupttädter befindet sich dort ein stark verwildertes Areal, das alten (Geld)adel nur noch beim wirklich genauen Hinsehen durch das Unterholz erkennen lässt.

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Einstmals mit als luxuriöse private VillaIMG_2335 gebaut und von den Eignern hochtrabend Jagdschloss genannt, war hier zu DDR-Zeiten ein damals wohl recht exklusives Altersheim untergebracht. Und nach der Wende traten wohl recht schnell die Immobilienhaie, Investoren etc. auf den Plan. So steht hinter der inzwischen völlig verfallenen Villa ein riesiger Rohbau, mit dem man wohl dem angedachten Luxushotel noch mehrere Säle für große Festlichkeiten hinzufügen wollte. Doch daraus wurde ganz offensichtlich nichts. Ob sich die Investoren übernommen haben, das Potenzial ganz mächtig überschätzt wurde oder aber die Alteigentümer oder deren Erben wieder aus der Versenkung auftauchten, wissen wir nicht. Dem Grad des Verfalls und der Überwucherung nach zu urteilen waren die hochtrabenden Erneuerungspläne jedoch nur von kurzer Dauer und liegen auch schon einige Jährchen zurück.

Heute wird die Fastruine wohl nicht mal mehr von den Dorfgrufties genutzt. Jedenfalls war im Innern keinerlei Spur jugendlicher Parties zu erkennen. Als Kulisse für einen Gruselfilm eignet sich das Objekt jedoch ganz hervorragend.

IMG_2316Schon am hellichten Tage kann einem dieses vom Eigentümer unseres Kurzurlaubsdomizils empfohlene Ausflugsziel nicht ganz geheuer vorkommen. Aber man stelle sich vor, man überwindet den altersschwachen Zaun um das verwilderte Gelände im Dunkel einer mondlosen Nacht, schlägt sich durch das Unterholz zur einstigen Auffahrt durch und steht dann plötzlich vor dieser zwischen Nebelschwaden aufgetauchten Ruine.

IMG_0807Dann steigt man durch eines der Fenster in die einstigen Wirtschaftsräume im Kellergeschoss ein, schleicht zwischen Küche und Lagerräumen hindurch und stellt sich vor, dass dort einmal Hirsche gehäutet, Wildschweine zerlegt und erlegte Fasane zum Reifen des aufgehängt wurden. Über eine ihres Geländers beraubte Holztreppe steigt man eine Etage höher, vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzend, um nicht durch fehlende Bodendielen wieder in das Untergeschoss zu fallen. Den schmalen Dienstbotenflur tastet man sich nach links und steht plötzlich vor einem Bad, dessen freistehende Badewanne eher Assoziationen mit dem Arbeitsplatz eines Prof. Börne weckt.

IMG_0813Zugegeben, die orange-braun-bunten Kacheln mit östlichem siebziger Jahre Charme passen nicht recht in die Pathologie. Aber die Vorstellung, wie hier klapprig-verwirrte Altfunktionäre von weißbekittelten Matronen resolut zupackend mit Kernseife und Bürste auf den sonntäglichen Besuch der Sprößlinge vorbereitet wurden, ist nun auch nicht viel attraktiver.

IMG_0815 Weiter geht es in den Salon, wiederum vorsichtig tastend, um nicht durch ein unter Schutt und Bodenbrettern vesrtecktes Loch in der Versenkung zu verschwinden. Vielleicht war dies vor dem endgültigen Verfall des Gebäudes der Speisesaal des Funktionärsaltersheims – zahllose zahnlos Haferschleim mümmelnde Helden der Arbeit. Ein letzter Rundblick auf dem Treppenabsatz – und die Blümchentapete versüßt den Abgang in die Mittagssonne und die Heimfahrt.

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