Gehöker und Geschacher – die ganze Stadt ein Markt

IMG_2972Guangzhou – wie wohl die meisten chinesischen Großstädte – scheint sich nur noch als Handelsort zu definieren. Die ganze Stadt ist ein einziger riesiger Markt, unterteilt nur nach Arealen für Konsumenten und Händler sowie nach Warengruppen. Die großen Fußgängerzonen der Innenstadt sind dabei geprägt von nationalen und internationalen Ketten und ziehen hauptsächlich die Generation Ü40 an.

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Mode spielt hier eindeutig die Hauptrolle. Kein Wunder, sitzen doch die Produzenten für alle nur denkbaren Segmente der Industrie der Eitelkeiten hauptsächlich in Südchina. Doch nicht nur billige Klamotten und internationale Marken werden hier verhökert. Manch ein Produkt – hier sind es Bonbons einer bestimmten Marke – wird mit viel nostalgischem Spektakel beworben, um Aufmerksamkeit und Käufer zu finden.

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Die eisverkaufenden Teenies in miniberockten Uniformen, die den roten Garden der Kulturrevolution nachgeschneidert waren, wollten leider partout nicht aufs Bild gebannt werden. Ebenso wenig konnten sich einige Händler traditionellerer Waren damit anfreunden. Mittendrin im Kaufrausch der Einkaufsmeilen verstecken sich von den jugendlichen Konsumenten meist unbeachtet Traditionsgeschäfte – die letzten schwindenden Biotope verschiedener zum Aussterben verdammter Spezies.

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Ob auf Porzellan gebannte Fotos verstorbener Familienangehöriger auf dem Bild oben oder die ebenso altbackenen wie altbewährten Wasserwärmer, beide werden im Modernisierungsrausch wohl nicht mehr lange überleben. Für die porzellanbilder, die früher in Guangdong auf keinem Hausaltar fehlten, finden sich inzwischen kaum noch Käufer, aber ebenso wenig auch Produzenten. Und Thermoskannen mit Glaseinsatz sind längst von coolen doppelwandigen Edelstahlflaschen abgelöst worden.

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Aber vielleicht werden ja gerade die jetzt so uncoolen Plastikthermosflaschen demnächst im Zentrum eines nostalgischen Hype stehen und bei den Youngsters unglaublich hip sein… Dann hol ich auch meine mit Naturkorken verschlossene chinesische Thermosflasche mit dem rosa Chrysanthemenmuster wieder hervor!

Dass eine solche Renaissance durchaus im Bereich des Möglichen liegt, zeigen einige Fabriken und Manufakturen für Kochgefäße und Wasserkessel aus Messing, die sich in Teilen des kantonesischen Bürgertums ebenos großer Beliebtheit erfreuen wie bei Touristen aus anderen Regionen. Nur gut, dass ich meinen chinesischen Messingkessel schon vor nunmehr 28 Jahren in Nordchina zu einem Bruchteil der heute üblichen Preise gekauft hatte. Vielleicht sollte ich ihn gründlich reinigen und dann auch zur Teezubereitung nutzen.

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Die ausgedehnten Straßenzüge, in denen der Großhandel beheimatet ist, sind naturgemäß sehr viel weniger glamourös als die Straßenzüge, die den Endkunden das Geld aus der Tasche ziehen sollen.

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Da gehts eher nüchtern zu, obwohl hier Massen von Waren für China und die ganze Welt umgeschlagen werden. Allerdings wird hier auch schon Feierabend gemacht, wenn in die Konsumstraßen erst ganz langsam das Leben einzieht.

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