Nur ein paar Meter abseits

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Da gibt es sie noch, die einfachen Dienstleistungen. Obwohl die Tage des Barbiers auf dem Bürgersteig wohl auch gezählt sind. Immerhin finden aber auch immer wieder Leute aufs Neue solche Nischen. In dem von Afrikanern bewohnten Viertel zum Beispiel, in dem ich hauptsächlich meine Feldforschung durchführte, hatte sich gerade erst ein Arbeitsloser selbständig gemacht. Statt als Wachmann wie vor seiner Entlassung Hauseingänge der Mittelklasse zu bewachen hatte er sich einen ausrangierten Bürostuhl geschnappt und bietet nun den weniger betuchten oder stärker auf den Pfennig achtenden afrikanischen Einkäufern auf Kurzbesuch in Guangzhou auf dem Bürgersteig einen Standardhaarschnitt für nur zehn Yuan an.

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Deutlich zeigt sich überall die soziale Segmentierung. Kauft die moderne Mittelkalsse nur noch in Supermärkten nahe ihren Compounds ein, so sind es für die Alten, Migranten und Armen der Stadt weiterhin die Straßenmärkte, die sie mit frischen Lebensmitteln und allem versorgen, was man so braucht.

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Saisonale Leckereien dürfen da auch nicht fehlen. Am morgen in einem der Lotusteiche geerntet, die in den einst ländlichen Gebieten der umliegenden Dörfer noch nicht unter dem Beton der sich beständig ausdehnenden Stadt Guangzhou begraben sind, werden hier Lotuskerne an der Straßenecke direkt vom Fahrrad verkauft.

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Auch die Sammler jeder Art von Verwertbarem finden in den Gassen der alten Stadtviertel der ärmeren Bevölkerung noch ihr Auskommen. Hier haben sie mit ihren Lastenfarrädern noch Zutritt, um defekte Fernsehgeräte, Gasflaschen, Altmetall, Reifen, Zeitungen und noch viel mehr einzusammeln, zu zerlegen und mit den wiedergewonnenen Rohstoffen Geld zu machen. In die Wohnanlagen der Mittelschicht kommen sie nicht hinein, da sind die Wachleute davor, die jedem den Zugang verwehren, der dort nicht hin gehört.

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Doch wer auf die Idee kommt, es handle sich hier um die Überbleibsel der heilen Welt, sei gewarnt. Hinter den Fassaden der einst modernen, inzwischen aber in den letzten 80-100 Jahren teils arg heruntergekommenen Häuser dieser einfacheren Wohnviertel lauert in diesem Klima viel Ungemach – und potenziell auch Ungeziefer.

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Dieser ambulante Kleinhändler auf dem Bild unten – früher sagte man wohl Hausierer – macht rhythmisch klappernd auf sein spezielles Sortiment aufmerksam. Gifte aller Couleur – gegen Flöhe, Ameisen, Termiten, Kakerlaken, Mäuse, Ratten… Aber auch für uns noch exotischere Waren hat er im Angebot: Klebefallen für Mäuse und Ratten. Ich wollte es zuerst nicht glauben, aber das sind Pappschachteln, die innen mit einem starken Kleber bestrichen sind. Verirrt sich ein Kleinnager darauf, bleiben die Füße kleben, und er wird entweder nach seiner Entdeckung erschlagen ode einfach seinem Schicksal überlassen und verdurstet.

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