Reformdörfer im Migrantenland

Nicht nur Villen und Wehrtürme wurden von den Migranten in den Dörfern rund um Kaiping gebaut, obwohl diese heute die spektakulärsten Gebäude darstellen und zum größten Teil dafür verantwortlich sind, dass Dörfer wie hier Jinjiangli unter Schutz gestellt wurden. In einigen Dörfern wurden mit Hilfe der Überweisungen und der Ideen der Migranten im Ausland geradezu „städtebauliche“ Neuerungen umgesetzt.

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Nach außen hin blieben die Dörfer abweisend wie Wehrdörfer. Der rechteckige Grundriss, auf dem sie nun basierten, war jedoch ebenso neu wie die Tatsache, dass praktisch jedes Haus identisch gebaut war.

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Hier zog eine völlig neue Egalität ein, die nur durch die Villen der ganz Reichen unterbrochen wurde. Die Mehrheit des Klans wohnte in Einheitshäusern, die durch enge rechtwinklig angelegte Gassen erschlossen wurden. Individualität gab es nur im Innern der Häuser,. Ihre Eingänge zeigen bis heute bildhaft sowohl den damaligen Quell von Wohlstand und Fortschritt als auch Zukunftsvisionen und Träum der Migrantenfamilien, deren Frauen im Dorf zurück blieben.

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Vor den Zugängen in die auch heute noch bewohnten Dörfer befinden sich kollektive Tennen, auf denen im wesentlichen Reis zum Trocknen ausgebreitet wird, denn auch heute ist hier die Landwirtschaft noch Haupterwerb, wenngleich viel der jungen Dorfbewohner zwar nicht ins Ausland, so doch in die Großstädte abwandern.

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Der innerchinesische Tourismus erlebte hier einen großen Boom, als einige Dörfer vor ein paar Jahren als Weltkulturerbe anerkannt wurden. Inzwischen kommen jedoch schon wieder sehr viel weniger Besucher. Weder sind Hotels in den Dörfern entstanden, noch locken sie wie sonst üblich mit einer Vielzahl von Restaurants. Es handelt sich eben weniger um überragende und außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten als vielmehr Zeugnisse einer Epoche, die auf das Engste mit der Geschichte der chinesischen Emigration verbunden sind. Die unmittelbar aus den Kontakt mit dem Westen und der Moderne geprägten architektonischen Mischformen und neuen Dorfkonzepte, die hier Realität in Beton wurden, sind auch heute in China etwas für ein sehr kleines Spezialpublikum. Otto Normaltourist macht einen schnellen Rundgang, ergötzt sich an den exotischen Bauten ohne viel lernen zu wollen und düst weiter zur nächsten Station der Rundreise.

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Das wars erstmal aus Guangdong. Immerhin liegt die Reise im Juli ja auch schon einige Monate zurück, und in Deutschland rückt der Winter unaufhaltsam näher.

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