Skurrile Details

IMG_2943Die italienische Renaissance ist nicht nur bekannt für klare Linien und die Wiederentdeckung der klassischen geometrischen Formen der griechischen und römischen Klassik. In der Ausmahlung der Palazzi feiern die Groteskenmaler Triumphe.

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Schöner als diese skurrilen Wanddekorationen, die den Geist der Zeit widerspiegeln und viele versteckte Bedeutungen transportieren, sind aber die Details, die sich auf vielen Gemälden verstecken. Warum, fragt sich der geneigte Betrachter (diesmal im Wortsinn, weil man sich ziemlich den Hals verrenken muss), trägt der ausgezehrte Dämon am linken Bildrand der Höllendarstellungen in der Kuppel des Florentiner Doms so eindeutig ostasiatische Züge?

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Und auch auf diesem Tafelbild in Miniaturgröße, das wir im wenig besuchten Palazzo Davanzati entdeckten – übrigens ein auch im Innern hervorragend erhaltenes Beispiel des Wohnens im 14. Jahrhundert – weckt ein Detail Assoziationen mit dem Fernen Osten.

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Einmal abgesehen davon, dass die edle Dame zwar auf großem Fuße aber in zu kleinen Schuhen steht, ist es der fehlende Hosenboden der beiden Jungen, die hier den Schlosshund als Reittier missbrauchen, der besonders ins Auge sticht. Derartige Kleidungsstücke kannte ich bisher nur als 开裆裤 in China. Und selbst dort zieht man diese hosenbodenlosen Hosen für Kleinkinder nur noch selten. Nachdem schon umstritten ist, wo nun wirklich die Nudel erfunden wurde und ob Marco Polo oder irgendein anderer italienischer Pfeffersack diese heutige Hauptzutat italienischen Essens aus China mitbrachte, muss nun vielleicht auch über frühe modische Importe neu nachgedacht werden.

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Aber auch das christliche Abendland hat einige kleine Schmankerln zu bieten. Dass auf vielen Gemälden, die das letzte Abendmahl zeigen, unter dem Tisch eine Katze liegt, hat sich ja inzwischen herumgesprochen. Dass aber auch einige Heilige ihre Maskottchen aus dem Tierreich mit dabei haben, war mir in dieser Form neu.

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Nichts gefunden oder nicht erkannt? Antonius, der Eremit, wird hier von einem winzigen Schweinchen begleitet… Soll typisch für ihn bzw. seine Darstellungen sein, wurde (wird?) er doch als Beschützer des Viehs – besonders der Hausschweine – verehrt und bei Heilbehandlungen und Ferkelkastration um Beistand gebeten.

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