Die Wiege des modernen Welthandels

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Prato war einst das Weideland für Florenz, darauf weist der Name hin. Und obwohl es heute beinahe gänzlich im Schatten der großen Kunstmetropole versunken ist, weist auch Prato einige historische Schätze auf. Dass vergleichsweise wenige Besucher den Weg in die Stadt finden, trägt zu ihrem Charm nur noch umso mehr bei. Alles geht mindestens drei Schritte langsamer und ist viel entspannter. Und wer etwas auf sich hält, kauft nur hier die berühmten Cantuccini. Übrigens in Vin Santo getunkt ein vorzügliches Dessert.

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Abgesehen vom Dom und der Burg Friedrich Barbarossas ist es in erster Linie das Haus von Francesco Datini, welches einen sehr langen Besuch lohnt. Datini wurde als Kaufmann von Prato bekannt und unsterblich. Er war im Alter von 15 Jahren nach Avignon gegangen, um dort zunächst als Botenjunge in einem Handelshaus zu arbeiten, machte schnell seinen Weg und gründete schließlich ein eigenes Handelsunternehmen. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein riesiges Imperium mit Niederlassungen, Banken, landwirtschaftlicher Produktion und Textilmanufakturen im gesamten Mittelmeerraum.

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Aber es ist nicht allein die Größe und Ausdehnung seines Handelsimperiums, was Datini bis heute so bedeutsam erscheinen lässt. Er gilt als Erfinder des Wechsels und unterhielt ein ausgefeiltes Informationsnetzwerk, da Informnationen – nicht nur über Preisentwicklungen und Angebot und Nachfrage, sondern auch über politische Entwicklungen – oftmals den kleinen aber entscheidenden geschäftlichen Vorteil bedeuten konnten.

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Datinis weitsichtigem Testament ist zu verdanken, dass seine gesamte geschäftliche und private Korrespondenz noch heute Zeugnis von der fortschrittlichen Organisation seines Firmenimperiums ablegt. Man könnte wohl mit Fug und Recht behaupten, er habe das Informationszeitalter eingeleitet. Datini vermachte sein gesamtes Vermögen und sein Unternehmen einer nach seinem Tode gegründeten Stiftung für die Armen von Prato, die im Jahr 2010 ihr 600-jähriges Bestehen feierte. Das Unternehmen wurde damals einem Stiftungsrat übergeben, der es nach dem Willen des Verstorbenen noch fünf Jahre weiterführte, um das Stiftungsvermögen zu erhöhen. Seine Witwe beschied sich mit einer Summe, die ihr ein auskömmliches Leben in dem Familienpalazzo gewährte. All das und noch viel mehr erfährt man beim Besuch der hervorragenden und informativen Ausstellung in der Casa Datini. Es lohnt sich!

Beinahe hätte ichs vergessen: Das ganz hervorragende Textilmuseum von Prato lohnt ebenfalls in jedem Fall den Besuch. Abgesehen von der Geschichte der Textilproduktion in der Stadt werden in wechselnden Ausstellungen auch Originalstoffe aus der italienischen Renaissance gezeigt. Und wer dann noch etwas Zeit und Muße hat, sollte unbedingt auch einen Abstecher in die chinesische Vorstadt machen, um zu erleben, warum aus der einstigen Lumpenstadt das  italienische Zentrum der Pronto Moda geworden ist.

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