Aus der Zeit gefallen

Als wir uns über kurvenreiche Bergstraßen und durch den Nebel von Spoleto hinauf zum Piano Grande mühten, passierten wir auf einem besonders steilen Abschnitt einen Viehtransporter, der sich durch die engen Serpentinen hinauf kämpfte. Sofort schoss uns durch den Kopf: Warum müssen die armen Tiere über die Berge in den Schlachthof gefahren werden? Welche verrückten EU-Subventionen veranlassen solche unsinnigen Transporte durch die Berge? Denn die Straße führte lediglich nach Casteluccio und dann wieder hinunter in Richtung Norcia, einem traditionellen Zentrum der Wurstherstellung. Wurst- und Schinkenhandlungen heißen in Umbrien und in der Toskana nicht umsonst Norceria.

Als wir am Straßenrand auf dem Piano Grande standen, vor Kälte und Feuchtigkeit schlotterten und darauf warteten, dass sich der Morgennebel lichtete, um die Berglandschaft für ein paar Fotos freizugeben, schnaufte auch der Viehtransporter langsam heran. Nicht weit von uns kam er zum Stehen und rangierte rückwärts auf eine Bergwiese.

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Als erstes kam ein schwarz-weißer Hirtenhund heraus, dicht gefolgt von den ersten Schafen.

Den armen Tieren konnte es gar nicht schnell genug gehen aus diesem fahrenden und wohl auf den Bergstraßen auch übel schaukelnden Gefängnis zu kommen. Einige ließen sich zu waghalsigen Manövern hinreißen.

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Um dann in wiedergewonnener Freiheit und aus sicherer Entfernung noch einen kessen Blick auf den Lastwagen zu werfen…

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Von weißer Wolle konnte bei den Viechern auch nicht die Rede sein. Sie sahen vielmehr ziemlich besch…en aus. Sie waren wohl auf der Fahrt dicht aneinander gedrängt und in vier Etagen übereinander eingepfercht seekrank geworden und hatten Därme und Blasen entleert.

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Und auch die Hunde hatten ihren Teil davon abbekommen und sahen entsprechend mitleiderregend aus. Wie sie wohl sauber aussehen?

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Nach kürzester Zeit war die strapaziöse Zeit vergessen. Der leere Schafsmagen verlangte nach Füllung.

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Aber die Ebene um Casteluccio war nicht das Ziel der Reise. Und so ging es nach kurzer Zeit im natürlichen Fortbewegungsmodus wieder los.

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Die Hunde machten einen super Job und werden bestimmt auch mit den Wölfen fertig, die hier in den Monti Sibillini seit einigen Jahren wieder heimisch geworden sind.

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Es dauerte dann gar nicht mehr lange, bis Schäfer, Schafe und Schäferhunde die Ebene überquert hatten, sich zum Aufstieg entlang der Flanken des Monte Vettorio anschickten und schließlich aus dem Blickfeld verschwunden waren. Ohnehin wirkte die gesamte Szene wie aus der Zeit gefallen…

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