Königlich baden

Königlich baden, das versprach unsere nächste Etappe nach Rom – der runde und tiefe Vulkansee von Bolsena, an dessen Ufer wir für einige entspannte Tage mit Paddeln, Baden und Ausflügen Quartier bezogen.

IMG_6472_Bildgröße ändernDer See hat es allerdings in sich. Jedes Jahr ertrinken hier unbedarfte Menschen. Selbst das Paddeln ist nicht ohne, denn nach einer absolut windstillen Nacht und einem ebensolchen Morgen sorgt die Topographie hier für eine komplexe Thermik und kräftige Winde, die zu einer sehr kräftigen Wellenbildung führen. Erst am Abend flaut der Wind dann wieder ab. Dieses Schauspiel wiederholt sich offensichtlich regelmäßig jeden Tag.

IMG_6468_Bildgröße ändernDa der Wind noch dazu recht kühl blies, war an ausgiebiges Schwimmen nicht wirklich zu denken. Paddeltouren mussten gut geplant und getaktet werden. Aber immerhin konnte man nachmittags auf den Wellen im Kajak sehr gut surfen. Und dennoch sind der See und das gleichnamige Städtchen eine echte Empfehlung.

Königlich baden bezieht sich jedoch eigentlich auf Bagnoregio, einen Ort, den wir auf einer Tour in den Wald der Monstren von Bomarzo nur zufällig entdeckten, weil unsere Reiseführer zwar sowohl Bolsena und Bomarzo als auch die Tour dorthin abdeckten, nicht aber den grandiosen Ort direkt an der Strecke zwischen beiden Orten und nur 11 Kilometer vom See entfernt… Bagnoregio selbst ist ein kleiner, netter, aber unbedeutender Ort inmitten einer stark erodierten Hügellandschaft aus vulkanischem Tuffstein. Das eigentliche Juwel ist die Civita di Bagnoregio.

IMG_6329_Bildgröße ändernDieser Ortsteil auf dem zu allen Seiten steil abfallenden Berg soll auf eine Siedlungsgeschichte von mehr als 2500 Jahren zurück blicken. Wie diese Ansiedlung samt ihres Heiligtums in etruskischer Zeit hieß, ist nicht überliefert. Seit dem 6. Jahrhundert ist die Civita jedoch unter dem Namen Bagnoregio bekannt. Der Legende nach hat in der Nähe ein König in den hier häufigen heißen Quellen gebadet. Dabei muss es sich wohl um einen König der Westgoten gehandelt haben, nicht aber um den langobardischen König Desiderius, obwohl der Ortsname verschiedentlich auf diesen bezogen wird.

IMG_6378_Bildgröße ändernFast 1000 Jahre lang war der Ort Bischofssitz. Aber schon um 1700 begann nach einem Erdbeben und der nachfolgenden Verlegung der Bischofsresidenz von der Civita ins heutige Bagnoregio der Niedergang. Die Erosion und der beschwerliche Zugang sorgten insbesondere im 20. Jahrhundert für Abwanderung und Verfall – bis ein paar reiche Römer das 100 Kilometer entfernte Nest entdeckten und mit der Renovierung einiger der alten Steinhäuser begannen. Mit den modernen Römern kamen auch Touristen.

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Und so musste ein neuer Zugang her, den man für die 12-15 noch verbliebenen permanenten Bewohner wohl nie gebaut hätte. An Sommerwochenenden leben nun wieder etwa 100 ständige und temporäre Bewohner im Städtchen. Sehenswürdigkeiten gibt es eigentlich nicht, aber Athmosphäre und das ungestört mittelalterliche Erscheinungsbild ziehen zunehmend Touristen an. Seit 2006 steht Civita di Bagnoregio denn auch aufgrund der ständig fortschreitenden Erosion (und damit wachsenden Absturzgefahr für die Häuser) und des ungebremsten Tourismus (von dem wir außerhalb der Saison allerdings nicht viel merkten) auf der UNESCO-Liste der weltweit am stärksten gefährdeten Kulturgüter.

IMG_6344_Bildgröße ändernAuf dem Kirchplatz finden zweimal jährlich Eselsrennen statt – allemal besser als das Schicksal der Esel, die bis in die 1960er Jahre mit verbundenen Augen im Kreis laufend eine Ölmühle antrieben.

IMG_6370_Bildgröße ändernDie größte Überraschung war bei unserem Besuch die Begegnung mit einer Gruppe von Touristen aus Taiwan. Sie erklärten, dass dieses kleine Nest in Taiwan einige Berühmtheit erlangt habe, weil es als Vorlage für einen populären Zeichentrickfilm gedient habe…

IMG_6361_Bildgröße ändernUm das alte Städtchen mit der tollen Aussicht zu erhalten, muss in der näheren Zukunft wohl etwas geschehen. Die Häuser am Rande des Abgrunds sind massiv absturzgefährdet. Es ist die Rede von Metalverstärkung der Hänge, um die Wirkung der Erosion aufzuhalten…

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