Duomo di Orvieto

Die Kathedrale Mariä Himmelfahrt wird in Orvieto einfach nur der Dom genannt. Dabei dominiert er gar nicht so das Stadtbild, wie man vermuten würde. Er steht eher am Rande und versteckt sich geradezu, wenn man von dem großen Parkplatz am Fuß des Berges, auf dem sich Orvieto erstreckt, die Stadt betritt. So kann es gut sein, dass man zuerst auf die strenge und wenig ausgeschmückten Seitenwände stößt, deren schwarz-weiße horizontale Gliederung auf arabische Einflüsse zurückgeht, die sich in dieser Region Italiens von Pisa aus ausbreiteten.

Selbst wenn man mit etwas Glück durch die schmalen Gassen direkt auf die Hauptfassade zugeht, offenbart sich deren Größe erst im letzten Moment.

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Die Bauarbeiten für die Kathedrale hatten 1290 begonnen, und im Jahr 1354 wurde die phantastische Fensterrose vollendet, in deren Zentrum das Gesicht Jesu strahlt. Ein absolutes Meisterwerk der französisch beeinflussten und eher seltenen italienischen Gotik.

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Da in der Enge der Stadtanlage auf dem Bergkamm offenbar der Platz für den sonst üblichen großzügigen Domplatz fehlte, ist die Hauptfassade kaum in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

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Abgesehen von den Mosaiken im oberen Bereich, bei denen es sich überwiegend um Kopien handelt, ist insbesondere der Sockel ein einzigartiges Meisterwerk. Auf den vier massiven Pfeilern befinden sich Reliefs, die als frühe Vorläufer heutiger Komiks von links nach rechts die gesamte christliche Menschheitsgeschichte von der Entstehung der Welt bis zum Jüngsten Gericht darstellen. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Reliefs aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammen, steht man mit staunend geöffnetem Mund vor diesem wirklich einzigartigen Kunstwerk.

Am linken Pfeiler sieht man, wie Eva aus einer Rippe Adams geschaffen wird.

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Auch der Baum der Erkenntnis darf nicht fehlen. Die verbotene Frucht ist hier jedoch kein Apfel sondern eine Feige. Der Regelverstoß bleibt nicht unentdeckt, und der Rauswurf aus dem Paradies folgt natürlich prompt.

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Während der zweite Pfeiler alttestamentarische Inhalte wiedergibt, wird auf dem dritten die Lebensgeschichte Jesu dargestellt. Die einzelnen Szenen sind von links unten nach rechts oben im Zickzack zu lesen: Ankündigung der Geburt, (Besuch Marias bei Elisabeth,) Geburt und schließlich die Anbetung durch die Weisen.

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Der Pfeiler ganz rechts ist schließlich dem Jüngsten Gericht gewidmet. Da dürfen dann auch Engel mit Posaunen nicht fehlen.

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Christus thront oben in der Mitte und hält Gericht, während die mehr oder weniger sündige Menschheit in Reih und Glied ihrer endgültigen Bestimmung entgegen geht – Himmel oder Hölle.

Warum finde ich nur die Höllenszenen meist viel interessanter als die Langweiler auf dem Weg im Paradies?

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