Weder trostlos noch verwüstet

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Warum die ersten weißen Siedler diese phantastische Landschaft Valley of Desolation – Tal der Trostlosigkeit oder Tal der Verwüstung – nannten, bleibt ihr Geheimnis. Heute ist die markante Spandaukoppe, oder besser Blick  darauf  vom gegenüberliegenden Berggipfel ein Tourismusmagnet.

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Während sich am Aussichtspunkt noch viele Besucher sammeln, weil dieser direkt mit dem Auto anzufahren ist, trifft man auf dem Wanderweg entlang der steilen Klippen keine Menschenseele. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es hier gebrannt. Aber so verheerend solche Buschfeuer zunächst auch wirken, so notwendig sind sie offenbar für die heimische Vegetation. Das Feuer wirkt wie eine Verjüngungskur.

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500 Meter tiefer liegt im Tal Graaff-Reinet, das viertälteste Städtchen Südafrikas. Rund um die Grotekerk, die ein verkleinerter Nachbau der Salisbury Cathedral sein soll, reihen sich mehr als 200 alte Häuser im kapholländischen und viktorianischen Stil, die an die gemischt burische und britische Vergangenheit erinnern.

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So malerisch wie der Ort auch erscheint, ist er doch nicht frei von Problemen. Der zweihundert Jahre alte Stausee, an dessen Ufern sich auch das Camp des Camdeboo National Park befindet, verlandet durch Sedimenteintrag zunehmend und kann daher viel weniger Wasser speichern als gewünscht. Bei starken Regenfällen wird so auch das Umland überschwemmt. Das Camp wird dann geschlossen, weil es sonst schnell isoliert im Wasser liegen kann.

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Mehr als zwanzig Jahre nach der Abschaffung der Apartheid fällt wirklich negativ auch in diesem Ort die weiterhin täglich praktizierte Rassentrennung auf. Der historische Ort wird ausschließlich von Weißen bewohnt, während die schwarze Bevölkerung abseits in einem Township lebt. Eine kleine Ausstellung gibt Auskunft über die Geschichte der Stadt in der Zeit der Apartheid. Bis in die sechziger Jahre lebten Weiße und Schwarze Tür an Tür in dem historischen Ort. Erst dann wurden sie aus dem Ort vertrieben, und auch heute noch unüberwindbare Gräben taten sich zwischen beiden Bevölkerungsgruppen auf.

Obwohl die ursprünglichen schwarzen Besitzer von Häusern im Ortskern nach dem Ende der Apartheid eigentlich ein Recht auf Wiedergutmachung hatten, änderte das nichts an der praktizierten Rassentrennung. Die meisten aus ihren Häusern Vertriebenen hatten in der Zwischenzeit natürlich in den Ausbau ihrer einst einfachen Townshiphütten investiert und waren nun nicht mehr bereit, ihre Heime ein zweites Mal aufzugeben. Hinzu kommt, dass die Gerichte finanzielle Entschädigungen gegenüber einer wirklichen Restitution favorisieren.

So gibt es bis heute nur wenige Initiativen zur Überwindung der alltäglich gelebten Separation von weißer und schwarzer Bevölkerung. Einen, der sich für die Überwindung dieser Teilung einsetzt, trafen wir in seinem ganz eigenen kleinen Paradies. Mehr davon im nächsten Beitrag…

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