Dornröschen hätte seine Freude

Am Rande von Graaf-Reinet steht man in einer kleinen Straße plötzlich vor einer Wand aus haushohen Kakteen und anderen stacheligen Gesellen. Ein unscheinbares Schild identifiziert diesen Ort als Obesa Nursery. Beim ersten Versuch scheiterten wir an dem verschlossenen Eisengittertor, aber einen Tag später wurde uns dann Eintritt gewährt. Zwar kann man hier durchaus Jungpflanzen erwerben, doch Baumschule trifft wirklich nicht den Kern dessen, was sich hier verbirgt.

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Schon in den sechziger Jahren begann hier ein weißer Anwalt seinem Hobby zu frönen – der Auzucht von Kakteen und anderen Sukkulenten. Da nun viele dieser Pflanzen schon bald fünfzig Jahre auf dem Buckel haben, ist aus dem Garten ein sich beständig ausdehnendes Dickicht baumhoher Kakteen entstanden, durch das sich verschlungene Wege ziehen.

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Der Anwalt hat der Juristerei längst den Rücken gekehrt und lebt nun mit, zwischen, unter und für seine stacheligen Pflanzen, die im Halbwüstenklima der Karoo hervorragend gedeihen. Kakteen sind eigentlich Fremdkörper in Südafrika, stammen sie doch allesamt vom amerikanischen Kontinent. Unser Pflanzenfreund bemüht sich aber gleichermaßen um die heimische Flora und zieht so u.a. Lebende Steine – Lithops.

Obwohl diese von Kieseln wirklich kaum zu unterscheidenden Blühpflanzen aus der Pflanzenwelt der südafrikanischen Wüsten stammen, bezieht er die Samen aus – Deutschland!

Im Laufe de langen Unterhaltung mit ihm sprachen wir auch über die auch lange nach dem Ende der Apartheid noch praktizierte alltägliche Trennung der Lebenswelten von Schwarz und Weiß in Südafrika. Selbst seit einigen Jahren mit einer schwarzen Frau liiert, engagiert er sich in verschiedenen Initiativen, die zur Überwindung des Apartheidserbes führen sollen. Dabei unterstützt er auch besonders die Idee, dass wieder mehr Schwarze in den historischen weißen Kern von Graaff-Reinet ziehen.

Da sein stacheliger Märchenwald sich nicht weiter ausdehnen kann, sind auch schon diverse stachelige Gesellen und Bäume in die Straßen des Städtchens gewandert…

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