Wir sitzen fest in Saint Florent

Was tun, wenn man wegen der ausstehenden Autoreparatur in Saint Florent festhängt? Zugegeben, es gibt unangenehmere Orte als dieses kleine Hafenstädtchen. Aber soviel gibt es denn hier in der Vorsaison doch nicht zu tun. Seekajak fahren zum Beispiel? Fehlanzeige. Die Vermieter befinden sich noch im Winterschlaf. Also in die Berge und an der Küste entlang fahren und sich umschauen und umherwandern. Gesagt, getan.

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Am Sonntagnachmittag landeten wir auf diese Weise an der Kirche San Michele in der Nähe von Murato. Was auf diesem Bild so einsam aussieht, erforderte ziemlich langes Warten und geschickte Positionierung. Die unmittelbare Umgebung der unter der Herrschaft der Pisaner zwischen 1140 und 1280 erbauten Kirche wimmelte nur so von Menschen, denn die Einfahrt zum nahen Dorf fungierte als Ziel eines Amateurradrennens… Der Turm erreichte übrigens erst im 19. Jahrhundert seine heutige Höhe.

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Mit etwas Phantasie erkennt man im unteren Ausschnitt Eva, die von der Schlange den verhängnisvollen Apfel entgegennimmt.

Eine weitere Tour führte uns entlang der Küste nach Calvi, einem der touristischten Orte der Insel. Viel zu sehen gibt es eigentlich nicht, dazu ist das Städtchen mit seiner Zitadelle einfach zu klein.

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Aber schon lange vor den französischen Ferien rannten hier zahllose Touristen umher. Die Restaurants buhlten mit menues touristiques um die Gunst der Hungrigen. Aber eins wirkte so uninspiriert wie das andere. Nach einigem vergeblichen Herumwandern gaben wir es schließlich auf, innerhalb des Ortes anderes als Durchschnittsnahrung zuzuführen.

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Gut, dass unser Routard noch eine letzte Alternative etwa einen Kilometer außerhalb zu bieten hatte. Bei leichter Brise und im Schatten großer Pinien speiste es sich bei U Fanale ganz hervorragend. Gut für uns, dass die meisten Tagesgäste in Calvi den Weg in diesen Gourmettempel für kleines Geld (Menü für € 22,50!) scheuen.

Zwischen Calvi und Saint Florent liegt noch L’île-Rousse, Fährhafen und Touristenzentrum. Vor allem erstreckt sich aber zwischen diesem Ort und unserem eher unfreiwilligen Feriendomizil eine Wüste. So lautet zumindest die französische Bezeichnung des heute unter Natrurschutz stehenden Gebietes des Desert des Agriates.

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Eigentlich unterscheidet sich die Vegetation kaum von der nicht zur „Wüste“ gehörigen Umgebung. Mit einer 40 km langen Küstenlinie bilden die Agriate heute das größte mediterrane Naturschutzgebiet. Wenn man sich vorstellt, dass es einmal Pläne gab, hier ein Atomtestzentrum einrichten wollte, weil die Gegend ja so hübsch unbewohnt war… Heute kann man sich an langen unberührten Sandstränden erfreuen, die man auf Schusters Rappen, mit dem Seekajak, der Touristenfähre oder dem Allradtaxi erreicht. Ob das in der französischen Ferienzeit dem Naturschutzgedanken wirklich guttut?

Einen absoluten Höhepunkt unseres erzwungenen Aufenthalts in Saint Florent war jedoch am Abend ein Konzert in der kleinen Walfahrtskirche des Ortes. Die Jungs von U Fiato Muntese sind hervorragende Vertreter der korsischen Polyphonie.

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