Zuflucht beim kleinen Korsen

Was sich da am Himmel zusammenbraute erschien uns doch sehr bedrohlich. Nach einem mächtigen Gewitter in Porto wollten wir in unserem nächsten Quartier nicht im Regen absaufen. Also bezogen wir in Ajaccio – in römischer Zeit Adjacium, Ruheplatz, genannt – ein kleines Traditionshotel wie aus einer ganz anderen Zeit und machten uns daran, die Geburtsstadt Napoleons zu erkunden.

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Ob man sich so auch den kleingewachsenen Napoleon vorstellen muss, als er in See stach um von Frankreich aus ganz Europa unsicher zu machen? Touristisch spielt der Mann in Ajaccio eindeutig die Hauptrolle – als Pappfigur vor Souvenirläden, Restaurants und Juwelieren. Und das, obwohl er Ort und Insel den Rücken gekehrt und als französischer Kaiser in seinem Urteil über seinen Heimatort wohl nicht sehr positiv war. Das offizielle Denkmal mit einer Statue Napoleons in typischer Haltung liegt denn auch etwas abseits. Wir kamen an einem Abend eigentlich eher zufällig dort vorbei. Der Ort war verwaist, aber in der Ferienzeit werden hier wohl regelmäßig Touristenbusse vom Festland entleert.

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Heute ist Ajaccio mit seinen 65.000 Einwohnern das wirtschaftliche Zentrum des südlichen Korsika und mit Fährhafen und Bahnhof Anlaufstelle von Touristen. Außerhalb der Saison wirkte aber auch dieser Verkehrsknotenpunkt sehr verschlafen. So wurde auch die kleine alternative Künstlerkolonie, die Teile des Bahngeländes bewohnt, kaum einmal von einem Zug gestört.

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Jenseits der Touristenpfade und der langen Strandpromenade teilen sich junge Künstler die heruntergekommenen Viertel mit Einwanderern aus dem Maghreb.

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Kunst findet man allenthalben an den Wänden, und so geheim ist auch die geheime Gallerie nicht, nur ein wenig versteckt in einer schmalen Gasse.

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Ziemlich martialisch die Evolution hin zum modernen Korsen, die man aus dem Wandbild hier wohl herauslesen kann. Was sich uns heute als liebenswerter Regionalismus und Lokalstolz präsentiert, war vor gar nicht langer Zeit ein durchaus gewaltsam ausgetragener Kampf gegen die zentrale französische Staatsmacht, die zumindest von einem Teil der Korsen als Besatzung empfunden wurde (und wird). Auch heute haben einige offensichtlich Spaß daran, in der Gegend rumzuballern – meist auf symbolische Ziele, wenn schon nicht auf Wildschweine.

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Nicht zu übersehen ist überall auf der Insel die Botschaft: Korsika den Korsen!

Am Ende des Tages und des Landes hat auch Ajaccio – als Stadt übrigens sehr angenehm – auch noch schöne Natur zu bieten. Die westlich vorgelagerte Inselgruppe Les Sanguinaires, die in der letzten Abendsonne bei optimalen Bedingungen blutrot leuchten soll, daher wohl der Name.

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Wir durften zwar den obligatorischen genuesischen Wachturm auf der dem Festland nächsten Insel im Schein der späten Nachmittagssonne bewundern, aber das Schauspiel in Rot blieb uns verwehrt. Es hat übrigens während unseres gesamten Aufenthalts in Ajaccio keinen einzigen Tropfen geregnet. Aber das kleine Hotel war sehr nett…

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